Habe mir neugierhalber mal das neue, heftig geschmähte Flickr-Design angeschaut, denn so richtig und sinnvoll es grundsätzlich ist, die eigenen Sachen auf dem eigenen Webspace zu haben: Manchmal wäre es ja schon schön, wieder wie damals mit möglichst vielen Leuten über möglichst viele Fotos zu schnattern. Und ein ganzes Terabyte Speicherplatz selbst im werbefinanzierten Gratis-Account, das ist ja mal ein Wort.
Aber nach ein paar Klicks bin ich fast rückwärts wieder rausgefallen, denn man wird von Fotos geradezu erschlagen: von schierer Masse, komplett unstrukturiert und ungewichtet. Egal ob Explore oder eine beliebige Benutzer-Startseite – alles sieht gleich aus.
Und alles braucht unendlich lange zum Aufbauen. Mit dem neuen Design ist Flickr ein unglaubliches Bandbreitenfresserchen geworden: Beim Aufruf einer einzigen Startseite werden 27, 30 oder auch mal 35 Megabyte an Daten geladen. Das dauert bei meinem Dorf-DSL durchschnittlich mehr als drei Minuten pro Seite und vergrätzt mir den Spaß, bevor er überhaupt begonnen hat.
Dann habe ich mal angefangen nachzurechnen:
Wenn ich jeden Tag auch nur bei zehn Flickr-Bekannten vorbeischauen würde, wäre mein Rechner bloß mit Seitenladen eine halbe oder auch mal eine Dreiviertelstunde beschäftigt. Dabei habe ich noch keine Slideshows angeschaut, nichts kommentiert, nur gewartet.
Und wenn ich mit meiner aktuellen Festnetz-Datenverbindung ein Terabyte Daten hochladen wollte, wäre der Rechner damit ziemlich genau ein Jahr lang beschäftigt (kontinuierlich Tag und Nacht, versteht sich) – in der Praxis ist das verfügbare Terabyte also eine ziemliche Fantasiegröße.
Doch halt: Ich könnte hier draußen auch Breitband-Internet per LTE-Funk haben. Das würde mit nominell 50 MBit Downstream auch richtig Spaß machen (zumindest solange ich der Einzige bin, der gerade den zuständigen Funkturm benutzt). Damit wäre so eine Startseite in ein paar Sekunden geladen statt in ein paar Minuten, mit weniger Zeitaufwand könnte ich bequem auch 30 Leute pro Tag besuchen. Und auch der Upstream wäre viel flotter, ich könnte Flickr also als Backup für massenhaft Bilder in hoher Auflösung verwenden.
Doch halt, again: Zu diesem LTE-Paket hätte ich 15 Gigabyte Inklusivvolumen, bevor die Drossel zupickt und das Internet zur Unbenutzbarkeit ausbremst. Wenn ich also sonst überhaupt nichts im Netz machen würde, als Fotos zu Flickr hochzuladen, müsste ich das verfügbare Terabyte auf 66 einzelne Monate aufteilen – fünfeinhalb Jahre lang jeweils dreieinhalb Stunden Highspeed-Upload, und dann ist das Internet tot bis zum nächsten Ersten. Und auch wenn ich selbst nichts hochlade, sondern nur meine Flickr-Bekannten besuche, ist bei 30 Besuchen täglich das Monatskontingent bereits nach zwei Wochen ausgeschöpft.
Dabei ist noch nichts anderes berücksichtigt: Lass mal täglich nur zwei dienstliche Mails mit großen Dateianhängen kommen, schick einem Kunden über Wuala eine Photoshop-Datei von 150 Megabyte, dann noch ein bisschen Skype, und denk lieber nicht drüber nach, dass alle paar Tage noch Updates fürs Betriebssystem und die wichtigsten Programme geladen werden wollen. Und vor allem: dass es außer dir noch ein paar andere Leute in diesem Haushalt gibt, die vom Inklusivvolumen auch was abhaben wollen …
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hier passen ein paar Sachen nicht zusammen. Man kann doch nicht das gesamte Arbeits- und Freizeitumfeld ins Internet verlagern wollen und dann faktisch für jedes einzelne Megabyte Datenvolumen die Hand aufhalten! Korrigiere: Man kann das offensichtlich schon, wenn man die entsprechende Marktposition hat und niemand ernsthaft widerspricht.