Küstenlicht

Ein algorithmusgestütztes Empfehlungssystem würde es so ausdrücken: Leser, die die Beiträge Metapher und Mare Tranquilitatis mochten, besuchten auch die Bildergalerie Küstenlicht.

Ich drücke es so aus: Neulich an der Ostsee habe ich eine ganze Menge Fotos gemacht, und während der letzten paar U-Bahn-Fahrten habe ich für knapp fünf Dutzend davon eine kleine HTML-Galerie zusammengeklöppelt.

Natürlich im Texteditor, wie sich das gehört. Ob die Bildbearbeitung noch so ist, wie sich das gehört, ist eine andere Frage :) Zwar habe ich außer bei der Ausfleckretusche nichts auf Pixelebene verändert, dafür aber ungewohnt extreme Eingriffe bei der Rohdatenentwicklung vorgenommen: Die Licht- und Kontrastverhältnisse in den Aufnahmen erheben keinen Anspruch auf möglichst objektive Wiedergabe des vor Ort Erlebten, sondern sind meist eine sehr freie, subjektive Interpretation.

Aber genug der Theorie, viel Spaß beim Blättern!

Bürger und Urheber

Keine Angst, es folgt kein Beitrag zum Urheberrecht. Denn dazu ist in den letzten Tagen im deutschsprachigen Internet alles Wesentliche (und etliches mehr) geschrieben worden – alle Argumente und insbesondere alle Verbalinjurien sind zur Genüge ausgetauscht.

Was jetzt noch fehlt, ist rhetorische Abrüstung auf allen Seiten der zerfaserten Frontlinien und gemeinschaftliches Arbeiten an der zukunftsfähigen Ausgestaltung des Urheberrechts. Deshalb habe ich mich heute in die Unterstützerliste von wir-sind-die-buerger.de eingetragen, weil diese Initiative meines Erachtens die richtigen Fragen aufwirft und dabei den richtigen Ton trifft.

Gelesen: Wolfgang Büscher, „Hartland“

„Nichts gleicht dem Frieden, den fallender Schnee übers Gemüt des Wanderers wirft“, konstatiert Wolfgang Büscher im Winter von North Dakota, am Anfang einer Wanderung quer durch die USA. Drei Monate später wird er (meist zu Fuß, manchmal per Anhalter) die Grenze zwischen Texas und Mexiko erreicht und auf dem Weg dorthin die unterschiedlichsten Menschen getroffen und faszinierende Eindrücke in sich aufgesogen haben. Und wie er den Leser an diesen Erlebnissen teilhaben lässt, mit präzisem Blick für die Details, stets plastisch und bildgewaltig, ohne dass die Metaphern je ins Peinliche kippen, das ist Reiseprosa ganz besonderer Güte. Dazu noch feine Typografie und ein sorgfältiges Redigat (eigenwillige, aber konsequente Kommasetzung inbegriffen) – diese 300 Seiten sind ein Hochgenuss.

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Ansonsten habe ich in letzter Zeit die meisten Neuzugänge aus der Stadtbücherei nach 50 Seiten wieder weggelegt (bis dahin hat fast jedes Buch seine Chance, das ist so meine Faustregel).
„Das Wasser-Syndikat“ von Jens Loewe fand ich vom Thema her spannend, leider war es weder inhaltlich noch gestalterisch erkennbar strukturiert, dafür aber mit unsäglichem Propagandavokabular überfrachtet („rabiate elitär-wirtschaftlich ausgerichtete Globalisierung“), mithin nahezu unlesbar.
Dann war da Karen Duves „Anständig essen“, das mir ja thematisch ebenfalls nahe stehen müsste, das aber stilistisch so gar nicht meinen Geschmack traf.
Weiterhin „Wie klein ist klein?“ von Kenneth W. Ford, ein vermeintlich populärwissenschaftliches Buch über Quantenphysik, das leider dem Irrglauben erliegt, es sei okay, einem Laien unglaublich komplexes Material im Schweinsgalopp zu erklären, wenn man nur genug launige Anekdoten beifüttert.
Und jetzt habe ich auch noch ein Sachbuch am Wickel, derzeit auf Seite 39, da weiß ich noch gar nicht, was ich davon halten soll, aber dazu später.

Panne in der Zeitmaschine

Auf der stetig kürzer werdenden Liste von Dingen, die ich bei Apple-Computern besser gelöst finde als bei anderen Systemen, stand bis vor kurzem die Time Machine. Das ist ein mit einem Klick aufzurufendes oder wahlweise auch vollautomatisch arbeitendes Backup-System, mit dem man eine „Zeitreise“ durch den Bestand der Festplatte machen kann, um ältere Versionen einer Datei anzuschauen oder auch versehentlich gelöschte Dateien wiederherzustellen. Man braucht dazu lediglich ein hinreichend großes externes Laufwerk, das sogar, wenn man es ins Netzwerk hängt, die Backups für mehrere Rechner zugleich aufnehmen kann; und sobald die Kapazitätsgrenze der Platte erreicht ist, wird das jeweils älteste Backup gelöscht. Zwar ist die Time Machine kein Ersatz für einen bootfähigen Systemklon (dafür verwende ich SuperDuper und je eine 2,5-Zoll-Platte pro Rechner im Haushalt), aber für die schnelle Datensicherung zwischendurch ist die Time Machine die komfortablere Lösung.

Leider hat sie eine fiese Macke:
Bei uns bedient eine 1-TB-Platte zwei Macs, jeweils mit System 10.6. Auf meinem hat die Time Machine vor einigen Monaten gemeldet, dass die Platte jetzt voll ist und sie anfängt, ältere Backups zu löschen. Auf dem Mac meiner Frau war davon noch keine Rede, und das hätte mir zu denken geben sollen: Heute nämlich meldete mein System, es könne kein Backup mehr machen, weil nicht genug Kapazität vorhanden sei. Und das liegt daran, dass systematisch nur *meine* älteren Backups gelöscht wurden – von denen ist jetzt genau gar nichts mehr da, aber die Zeitmaschine meiner Frau reicht immer noch zurück bis Herbst 2009 …

Aber Hauptsache, es ist einfach zu bedienen und sieht schick aus. Ob es im Einzelfall vernünftig funktioniert, ist drittrangig.
:-(