Es ist wieder Adleraugen-Saison

Guck mal, da ist einer!
Wo ist der Pilz?
Wo?
Da:
Da ist der Pilz
Oh ja, der sieht gut aus!
Aus der Nähe
Unsere sensiblen Schwammerlsensoren sind so eine Art Erbstück in meiner Familie – seit ich mich erinnern kann, gehen wir alle gern in die Pilze. Dabei sind wir durchaus zurückhaltende Sammler: (Fast) nichts mit Lamellen, keine Röhrlinge mit rotem Stiel, überhaupt nur das, was wir sicher kennen. Aber auch da bleibt noch eine Menge leckerer Waldbodenbewohner übrig, die wir auch dann gut finden, wenn sie sich tarnen.
Gut getarnt

Ein Männlein steht im Walde

Schönheit mit Hut

Makellos
Heute waren es etliche wirklich schöne Steinpilze, ein paar Maronen- und ein, zwei Goldröhrlinge sowie eine kleine Portion Pfifferlinge. Insgesamt genug für zwei üppige Familienmahlzeiten. – Das macht für mich den enormen Charme dieser Jahreszeit aus: Bei endlich wieder angenehmen Temperaturen stundenlang durch die Wälder stromern und auch noch was zum Essen heimbringen, …
Auflauf
… woraus man zum Beispiel einen Pilz-Nudelauflauf mit Bechamelsauce machen kann, der mit zweierlei Reibekäse und Semmelbröseln überbacken wird. Lecker!

Die letzte Bastion der Vernunft

Einmal mehr haben wir dem BundesverfassungsgerichtBundesgerichtshof (danke fürs Aufpassen, Gero) zu danken: Kein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms. Wäre auch übel gewesen, wenn sich gewisse krankhaft menschenfeindliche Tendenzen in der Versicherungswirtschaft, die uns – vorgeblich unserer Gesundheit zuliebe – per Blackbox im Auto und Fitness-App auf dem Smartphone am liebsten die Totalüberwachung in jeder Lebenslage bescheren würden, nun auch in dieser Hinsicht durchgesetzt hätten …

Man beachte übrigens auch den letzten Satz der BGH-Mitteilung: „Inwieweit in Fällen sportlicher Betätigung des Radfahrers das Nichttragen eines Schutzhelms ein Mitverschulden begründen kann, war nicht zu entscheiden.“ Das Urteil bezieht sich also ausdrücklich aufs Alltagsradeln, nicht hingegen auf Sport und Extremeres. Seh ich ja auch so.

Auch im Umkehrschluss übrigens – weshalb man mich, seit mein Lütter Spaß am Mountainbiking hat und wir zusammen auf holprigen Singletrails Dinge tun, die ich mir solo-tourend normalerweise verkneifen würde, auch gelegentlich wieder helmtragend antreffen kann (und sei es nur als Kratz-Schutz vor tiefhängenden Ästen), während die Schüssel im Stadt- und Alltagsverkehr weiterhin daheim bleibt.

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Fragen

Gestern fragte Felix Schwenzel ins Internet, warum eigentlich so viele Leute über Kommunikationstechnik, aber so wenige über Küchenutensilien schreiben, und nannte als mögliche Antwort die langen Innovationszyklen im zweiten Bereich. Ob die Beobachtung zutrifft, kann ich zwar nicht beurteilen – ich suche weder zu Küchen- noch zu TK-Technik häufig nach Informationen (im einen Fall mangels Notwendigkeit, im anderen mangels Interesse), aber wenn doch, dann finde ich zu beidem mehr, als ich jemals lesen möchte. Allerdings hat der als werblich gekennzeichnete Text mich als Freund der gepflegten Küchenmetapher tüchtig ins Grübeln gebracht:

Der erste Herd, an den ich mich erinnern kann, hatte noch keine eingebaute Zeitschaltuhr, und der Kühlschrank damals war bestimmt noch nicht FCKW-frei. Aber im Prinzip hat beides in meiner Kindheit genauso funktioniert wie heute. Die Bauteile unserer Küchenmaschine lassen sich wie selbstverständlich – und ohne vorheriges Firmware-Update – auch an 50 Jahre alten Exemplaren dieses Typs betreiben. Und die Mühle, in die ich allmorgendlich die Kaffeebohnen fülle, habe ich weitestgehend baugleich auch schon in einem Freilichtmuseum über bäuerliches Leben im 19. Jahrhundert gesehen. Gut, die Mikrowelle kann als Innovation durchgehen; aber von deren Relevanz fürs Kochen legt bei uns ihr Stammplatz im Keller beredt Zeugnis ab …

Seit Generationen bewährte Technik, aufs Wesentliche reduziert und geradlinig in der Bedienung – Werkzeuge, die der Befriedigung elementarer Bedürfnisse dienen, sollten immer so sein. (Und dann gibt es außer Manufactum-Poesie wenig darüber zu schreiben – auch das mag ein Grund für die eingangs erwähnte Beobachtung sein.)

Wenn wir nun auch das Internet als existenziell notwendig betrachten wollen – wovon ich noch nicht überzeugt bin, aber mit dieser Skepsis vertrete ich vermutlich eine Minderheitenmeinung –, dann müssen wir konstatieren, dass die Werkzeuge zu seiner Nutzung von diesem Anspruch kaum weiter entfernt sein könnten. Dass die Dinge genauso funktionieren wie schon damals bei Oma, kann man hier naturgemäß nicht erwarten; aber davon abgesehen frage ich mich, ob bei vernetzten Geräten eine Reduktion aufs Wesentliche überhaupt möglich ist, ohne die Nutzer zu entmündigen.

Aktuelle PC- und Mobilbetriebssysteme sind vordergründig ja schon sehr reduziert: Noch das Zeitaufwendigste bei der Inbetriebnahme ist das erstmalige Laden des Akkus. Web-Zugang, E-Mail-Postfach und vollständig synchronisiertes Adressbuch sind in kürzester Zeit verfügbar, ohne dass man auch nur einen Gedanken an all die Standards, Protokolle und Zertifikate zu verwenden hätte, die im Hintergrund zu berücksichtigen sind. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass die Daten, mit denen ich hier hantiere, nicht mehr meiner Kontrolle unterliegen: Damit all die Vernetzung reibungslos klappt, muss ich die Hoheit über meine Informationen aufgeben; es entzieht sich zwangsläufig meiner Kenntnis, wer wann auf welche Inhalte zugreift, ich weiß nur: Im Prinzip kommt fast jeder dran, der gern möchte.

Sobald ich versuche, auf einem modernen, vernetzten Gerät Dinge privat zu halten, wird es kompliziert – wer mal GPG installiert oder versucht hat, ein Smartphone-Telefonbuch ohne Cloud-Dienste zu aktualisieren, weiß, was ich meine. Mehr noch: Ich muss mich möglichst permanent darum bemühen, meine technischen Kenntnisse auf der Höhe der Zeit zu halten, weil viele der Standards, Protokolle und Zertifikate fast ebenso atemlose Innovationszyklen haben wie die Geräte, auf denen sie implementiert sind.

Ist es vorstellbar, dass das mittelfristig anders wird? Ist es bei einem so hochkomplexen System wie dem Internet überhaupt möglich, niedrigschwelligen Zugang und Nutzer-Autonomie zu kombinieren? Und falls nicht: Sollten wir es dann nicht tunlichst vermeiden, einem System, das sich selbst unserem Einfluss weitestgehend entzieht, signifikante und immer noch umfassendere Bedeutung in unserem Alltag einzuräumen?