Ich guck Piepmätze. Denn noch bis kommenden Sonntag läuft wieder die Aktion Stunde der Gartenvögel. Eine wirklich hübsche Kombination aus Entspannung im Grünen und einem Beitrag zum Naturschutz. Viel Spaß!
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Überwachung und Vertrauen
But increasingly, none of it matters.
Diejenigen von euch, die sich für Netzpolitik interessieren, werden neulich sicherlich Schneiers Essay gelesen haben, in dem er darauf hinweist, dass angesichts der heute allgegenwärtigen Lokalisierungs- und Tracking-Techniken bereits der winzigste Lapsus ausreicht, jegliches Bemühen um Privatsphäre im Internet dauerhaft zu kompromittieren. (Zu diesem Themenkomplex finden sich hier oder hier bei Richard Gutjahr ebenfalls hoch wirksame Stimmungskiller.) Was mir in diesem Zusammenhang nicht mehr aus dem Kopf will, ist folgender Aspekt:
Wenn man sich intensiv mit der Problematik beschäftigt und eine ganze Menge Unbequemlichkeit in Kauf nimmt, ist es theoretisch möglich, wenige bis keine Datenspuren im Netz zu hinterlassen. Dazu muss ich mich darauf verlassen, dass meine Hard- und Software genau das tun, was sie sollen. Aber welche Möglichkeiten habe ich als Nutzer vorgefertigter Produkte denn, das zu überprüfen?
Wenn man, willkürlich gewähltes Beispiel, von torproject.org ein Browser Bundle herunterlädt, bekommt man zum jeweiligen Paket eine GPG-Signatur, die man mit dem veröffentlichten Schlüssel eines der Entwickler abgleichen kann. (Was übrigens eine Fertigkeit ist, die ebenso wie der Umgang mit Prüfsummen ganz prima Bestandteil des Schul-PC-Führerscheins sein könnte …) Das ist zwar schon mal ganz nett und fühlt sich gut an. Aber kenne ich die Entwickler persönlich? Weiß ich ganz sicher, dass sie nicht vielleicht doch im Auftrag irgendeines Nachrichtendienstes eine Mitschnittschnittstelle in ihre Software gemauschelt haben? Kann ich überprüfen, welche Daten ein Programm bei mir im laufenden Betrieb aufzeichnet oder übermittelt? Meine Antwort auf alle drei Fragen lautet „nein“; it’s a matter of trust, ich muss dem jeweiligen Projekt letztlich blindes Vertrauen entgegenbringen.
Das allerdings ist ganz schön viel verlangt (und das meine ich nicht spezifisch auf TOR bezogen, sondern ganz allgemein auf jede Art von privacy enhancing software); die Vorstellung, dass es angesichts der weltweit massiven Interessen am Ausspionieren von Nutzerdaten immer noch möglich sein soll, jegliche Überwachung einfach durch die Installation von zwar unbequem handhabbarer Software auszusperren, erscheint mir mittlerweile fast märchenhaft naiv.
Oder anders gesagt: Mehr und mehr verabschiede ich mich gedanklich von der utopischen Komponente in Little Brother, von dem Gedanken, dass Technik uns dabei helfen kann, selbstbestimmt und in Freiheit zu leben. Ich vermute vielmehr, dass jeder Schritt im Internet letztlich ein Schritt in Richtung Unfreiheit ist, auch wenn wir eigentlich in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind.
Lieber VDS als Verantwortung
Die gestrige FAS widmete zu meiner großen Enttäuschung ihre ersten drei Seiten einer ziemlich platten Sympathiekampagne für die Vorratsdatenspeicherung, getarnt als redaktioneller Beitrag über die sexualisierten Nachstellungen, denen sich zehnjährige Mädchen auf Internet-Quasselplattformen ausgesetzt sehen. Neben den ewig gleichen Wortmeldungen der ewig gleichen Berufsbetroffenen bestand der Artikel vor allem aus Auszügen ziemlich expliziter Chat-Mitschnitte, die sich so oder ähnlich, so der Tenor, täglich tausendfach in Deutschlands Kinderzimmern wiederholen sollen. Nur die eine Frage, die wurde mal wieder nicht gestellt:
Was haben Computer mit Internetzugang in den Zimmern zehnjähriger Kinder zu suchen?
Wenn ihr mich fragt: nichts. Und zwar unabhängig davon, ob darauf ein fragwürdiges Filterprogramm installiert ist.
Ja, ich finde es unerträglich, wenn noch nicht mal pubertierende Lütte mit schmutziger Anmache und Schlimmerem konfrontiert werden. Aber wenn die sich ohne adäquate Kontrolle in Chatrooms herumtreiben können, dann ist das, was dort passiert, nicht primär einer mangelnden Reglementierung des Internets zuzuschreiben, sondern dann ist das vor allem die Schuld ignoranter Eltern und Erzieher, die ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen. Und Grundrechtseingriffe für die Allgemeinheit in Kauf zu nehmen, statt sich um seine eigene lästige Verantwortung zu kümmern, das ist schon reichlich billig und schäbig.
Abschied vom Negerkönig
„Meine Mama hat ihre körperliche Existenz transzendiert und mein Papa ist Administrator einer Intensivpigmentierten-Community.“ (So noch nicht bei Astrid Lindgren.)
Wenn erst mal alle Kinderbuchklassiker modernisiert und von sämtlichen Pfuibäh-Wörtern befreit sind – das wird bestimmt dufte. Und am besten kauft man Literatur, ob für Groß oder Klein, von vornherein nur noch als eBook mit DRM, denn nur dann kann man sicher sein, stets über die aktuelle und einzig gültige Version zu verfügen. Schöne neue Welt – ein Schelm, der Böses dabei denkt. (via Vera)
Nachtrag
Folgende Präzisierung erscheint mir geboten: Gegen sprachliche Modernisierung von Literatur im Sinne von Anpassung der Rechtschreibung und Zeichensetzung habe ich nichts einzuwenden (sofern sich der jeweilige Autor nicht ausdrücklich dagegen ausspricht). Sonst würde ja heute kein Schüler mehr Göte lesen ;-)
Die Grenze ist für mich überschritten, wo es um inhaltlich-wertende Eingriffe geht. Wer in der Literatur nicht mit verachtungswürdigen Weltanschauungen konfrontiert werden möchte, der möge beispielsweise davon absehen, Céline zu lesen; aber die Lösung kann nicht darin bestehen, allen anderen Lesern ein (nach wessen Maßstäben?) geschöntes Bild zu oktroyieren um den Preis, die sprachliche Integrität eines Werkes zu vernichten.
Die ganze Welt der Kunst ein rosaplüschiger iTunes-Store mit Puritanermoral als kleinstem gemeinsamen Nenner? Nein, danke.
Videogeschützt
Danke, BGH!
Wie der Bundesgerichtshof gestern entschieden hat, bin ich nicht verpflichtet, meine Kinder permanent zu überwachen, um sie von illegalen Handlungen im Internet abzuhalten. Eine gute, eine weise Entscheidung, denn ein gegenteiliges Urteil hätte bedeutet, dass ich meinen Nachwuchs unter Generalverdacht zu stellen habe, und ich halte nun einmal Vertrauen für eine wichtige Komponente der Erziehung.
Was allerdings nicht bedeutet, dass ich der Ansicht wäre, Kinder müssten sich spätestens ab dem Grundschulalter gänzlich unbeaufsichtigt im Internet bewegen können. Einen Sechsjährigen kann ich vielleicht mal drei Häuser weiter zum Brötchenholen schicken, aber ich werde ihm ganz sicher noch nicht sagen, nimm den Bus nach Ahrensburg, steig in den Regionalzug, fahr dann in Hamburg zur Reeperbahn und geh da im Aldi einkaufen. Das sage ich auch noch keinem Zehnjährigen … Nein, wenn ich den Zugang zum Internet daheim reglementiere und den Lütten noch keinen eigenen Rechner ins Kinderzimmer stelle, dann hat das nichts mit Misstrauen zu tun, sondern mit meiner erzieherischen Verantwortung.
Wenn es heutzutage schon in der Grundschule heißt, Kinder sollten Material für ihre Hausaufgaben ausdrücklich ohne elterliche Hilfe im Netz recherchieren, dann spricht daraus vor allem Ahnungs- und Hilflosigkeit auf Pädagogenseite, eine einseitige Verherrlichung der Chancen des Netzes unter Ausblendung der Risiken. An dieses Internet, dessen Tragweite ja meine Generation noch gar nicht erfasst hat, müssen wir Eltern unsere Kinder in kleinen Schritten heranführen, und sie sollten zunächst nur das in Eigenregie im Netz tun dürfen, was sie augenscheinlich verstanden haben. Aber wenn sie es verstanden haben, dann müssen wir es ihnen auch zutrauen, damit sie an einer Aufgabe wachsen und sich entwickeln können. – Natürlich könnte man die Lütten auch mittels regelmäßiger Gewaltanwendung daran hindern, irgendwelchen Blödsinn zu machen, aber das wäre eher nicht mein pädagogisches Ideal …
Wolkenkuckucksheim
Die Meldung steht da schon seit Mittwochnachmittag, ohne dass sie seither als verrutschter Aprilscherz gekennzeichnet worden wäre, also ist sie wohl ernst gemeint: Elster soll ab 2014 in die Cloud flattern.
Klingt wie eine richtig dufte Idee: Nicht mehr nur die Steuererklärung soll Otto Normalverdiener dann elektronisch übermitteln (als ob das nicht schon pannenbehaftet genug wäre), sondern er soll obendrein seine Belege mit dem Smartphone abfotografieren und von da in den Cloud-Speicher seines Finanzamts hochladen.
Jetzt will ich gar nicht mal davon reden, was die dafür notwendigen digitalen Zertifikate wohl ausgerechnet auf einem Handy zu suchen haben; aber im Zusammenspiel mit dem Umstand, dass ja beispielsweise auch Rentner mit Einkünften oberhalb eines sehr überschaubaren Freibetrags zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, drängen sich Szenarien auf, die je nach Standpunkt unglaublich komisch oder haarsträubend dramatisch sind – nun ja, zumindest die Zunft der Steuerberater wirds dankbar zur Kenntnis nehmen.
Übrigens illustriert diese Meldung sehr schön, was genau mir immer mehr den Spaß daran verdirbt, ins Internet zu schreiben:
Als ich 1999 meine ersten paar handgetippten Zeilen HTML online gestellt habe, war das Web aus der Perspektive des Normalsterblichen noch weitestgehend Hobbyisten- und Spinnerkram. Niemand hat mich dazu gezwungen, mich mit dem Medium auseinanderzusetzen, es hat mir einfach Spaß gemacht, damit rumzuspielen.
Seither hat das Netz immer größere Bereiche des Lebens usurpiert, und immer mehr alltägliche Verrichtungen lassen sich ausschließlich oder zumindest besser online erledigen. Aber Dinge, zu denen ich gezwungen werde, machen mir keinen Spaß mehr (weshalb ich beispielsweise weder mit Schreiben noch mit Fotografieren mein Geld verdiene – beides spielt manchmal in meinen Broterwerb hinein, aber aus gutem Grund nicht, niemals, primär). Und in dem Maße, in dem Online-Sein zur Pflicht wird, fahre ich meine emotionale Bindung an das Medium zurück und damit auch meine freiwilligen, privaten Internet-Aktivitäten. Die Lust wird zur Last, und im Moment sehe ich nicht, wie sich dieser Trend noch mal umkehren ließe.
Und überhaupt
Ebenfalls im „Journalist“ 11/2012 gibt es was zu lesen über das Modell Dreitageszeitung, bei der das Tagesgeschäft vorwiegend online stattfindet. Und das Aufmacherbild zeigt, vermutlich ohne Hintergedanken, eine Startseite mit Kommafehler in der größten Headline … ein hübscher Hinweis darauf, dass Leser durchaus noch andere Probleme mit Zeitungen haben als nur das der Distributionsform.
Jedenfalls muss man kein Erbsenzähler meines Kalibers sein, um angesichts fehlerhafter Überschriften den Eindruck zu gewinnen, dass vielerorts die handwerklichen Grundlagen vernachlässigt werden. Und wenn ich erst mal dieses Gefühl habe, dann ist es mir als Leser auch egal, ob auf Papier oder Pixeln geschlampt wird …
Ziemlich lang schon raus
Im aktuellen „Journalist“ erstreckt sich über sieben Seiten hinweg ein Interview mit Jan Böhmermann, das ich mit großem Interesse gelesen habe und in dem, so mein Eindruck, ziemlich intelligente Dinge über das Fernsehen gesagt werden. Allerdings stellte ich dabei fest, dass ich offensichtlich schon reichlich lange nichts mehr im TV geguckt habe, denn nicht nur habe ich diesen Herrn Böhmermann vorher noch nie bewusst gesehen oder auch nur seinen Namen gekannt, nein, ich kann auch mit 90 Prozent der Namen und Sendungen, die im Gespräch wie selbstverständlich erwähnt werden, nichts anfangen. Gottschalk, ja, den muss ich sogar schon mal in der Glotze gesehen haben, irgendwann gegen Ende des vorigen Jahrhunderts vermutlich. Harald Schmidt, ja, kenn ich zumindest vom Namen (und würde ihn wahrscheinlich auf einem Foto erkennen). Aber alle anderen? Nein. Nie gesehen, nie gehört.
Was fast ein bisschen schade ist, denn das ganze Interview liest sich so, als sei da eine Generation am Nachwachsen, die sich ernsthaft Gedanken drüber macht, wie man aus diesem Medium noch was Vorzeigbares machen kann. Nun ja, demnächst zahle ich ja für meinen Computer dieselbe GEZ-ARD-ZDF-Deutschlandradio-Beitragsservice-Gebühr, als hätte ich einen Fernseher, und ab dann kann ich ja über mein Dorf-DSL genauso gut Fernsehen gucken wie über Satellit oder Kabel, so richtig mit HD und ohne Ruckeln, toll. (Oder hab ich das falsch verstanden?)


