Spaß mit Spam

Zurzeit reißen die Spam-Kommentare hier wieder die tägliche 100er-Marke, es gibt also einiges zu tun, da ich das Zeug manuell aussortiere. Wirklich lesen oder auch nur querlesen tu ich dabei das wenigste, denn ich lösche immer gleich 20 auf einmal; aber manchmal bleibe ich doch hängen. Neulich zum Beispiel musste ich sehr grinsen über einen, der nicht dem gängigen Schema „Hey, you got a cool site, please have a look at mine“ entsprach, sondern lieber auf Beschimpfung setzte: Das wäre doch alles viel besser lesbar, wenn ich mehr auf meine Rechtschreibung achtete :-)

Und vor einigen Tagen war einer dabei, der sehr anschaulich machte, wie all diese Schwampfkommentare aus Textbausteinen zusammengesetzt werden – der bestand nämlich aus über 16.000 Zeichen voller Variablen zu den unterschiedlichsten pseudosinnvollen Themen. Die hab ich mir dann doch mal rauskopiert zum Aufheben. Auf den ersten Blick am schönsten fand ich dies hier:

{Howdy|Hi there|Hi|Hello}, i read your blog {occasionally|from time to time} and i own a similar one and i was just {wondering|curious} if you get a lot of spam {comments|responses|feedback|remarks}? If so how do you {prevent|reduce|stop|protect against} it, any plugin or anything you can {advise|suggest|recommend}? I get so much lately it’s driving me {mad|insane|crazy} so any {assistance|help|support} is very much appreciated.

Nachtrag 7. Juni: Hm, früher sind die Spamwellen ja immer nach spätestens 48 Stunden wieder abgeflaut. Mittlerweile knirscht nicht nur dieses Blog schon seit mehr als zwei Wochen unter mehreren hundert Spams pro Tag, sondern die Dreckflut schwappt seit einigen Tagen auch auf meiner beruflichen Website an. Und weil ich dort nun gar keine Lust drauf habe, dass das gekapert wird, ist dort bis auf weiteres kein Kommentieren mehr möglich. Schade, aber leider für mich unvermeidlich.

„Aus heutiger Sicht um zehn bis 20 Euro“

Hey, zu der leidigen Drosselkom-Thematik fällt mir gerade auf: Ich bezahle ja jetzt schon einen üppigen Aufpreis für das Privileg, hier dicke Datenmengen zu streamen – nämlich die monatlich 12,22 Euro Aufpreis gegenüber dem früheren GEZ-Beitrag, weil mein Rechner ja ein „neuartiger Rundfunkempfänger“ ist.

Und was hab ich davon? Nix. Hier sitzt grade die ganze Familie vor dem Laptop und schaut ESC via Zattoo, und das ruckelt ohne Ende; alle paar Minuten bleibt der Stream hängen. Immerhin sind Bonnie Tyler (Bonnie! Tyler! Meine Überheldin aus den späten Achtzigern!) und die schnucklige Dänin glatt durchgekommen, aber insgesamt ist die Übertragung signifikant schlechter als echtes Fernsehen in meiner Kindheit. Okay, wir haben hier Dorf-DSL, mit effektiven Datenraten eines Bruchteils dessen, was wir bezahlen. Und wir könnten zwar auch DSL per LTE bekommen, aber damit könnten wir eine Woche lang Glotze streamen, und dann wäre das Inklusivvolumen aufgebraucht.

Ne, Leute, wir können das alles drehen und wenden, wie wir wollen, aber hier passen ein paar Sachen nicht zusammen …

Hilfe, Paparazzi!

Drei ernsthafte Beiträge in Folge? Es wird allerhöchste Zeit für ein bisschen Katzencontent. Oder zumindest Content für Katzen:

Vogel im Profil

Vogel mit Blick zum Fotografen

Vogel im Abflug

Gerade als ich die diesjährige Meldung für die Stunde der Gartenvögel abgegeben hatte (alles Normalvögel – Amsel, Meise, Fink und Star), ließ sich dieser gefiederte Freund erstmals bei uns blicken. Gut, ich hätte ihn ohnehin nicht sicher bestimmen können … Hier ist noch mal ein stärkerer Ausschnitt aus einem Motiv, das ihn besser zeigt. Ornithologen zu Hilfe: Ist das ein Grauschnäpper oder doch was anderes?

Ist es ein Grauschnäpper?

Werbung ist nicht das Problem

Am Thema „Werbeblocker“ ist zurzeit kaum ein Vorbeikommen, seit einige der großen Nachrichtenseiten an die Benutzer solcher Browser-Plugins entsprechende Meldungen ausliefern. Falls ihr so was noch nicht gesehen habt – golem.de sah heute bei entsprechender Voreinstellung so aus:

Startseite golem.de mit Adblocker-Hinweis

An der Botschaft, vertiefend hier erläutert, ist aus meiner Sicht nichts auszusetzen: Werbung finanziert Angebote im Internet, die dadurch kostenfrei bzw. zu relativ geringen Kosten zugänglich bleiben können. Ist dasselbe Prinzip wie bei gedruckten Zeitungen und Magazinen – wären da keine Anzeigen drin, dann müssten sie viel teurer sein. Und im Lauf der Zeit gewöhnt man sich dran, sie bei Desinteresse einfach zu überblättern; im Internet bedeutet das zum Beispiel, beim Surfen den Ton runterzuregeln oder das Browser-Fenster auf die Breite des jeweiligen redaktionellen Anteils der Seite zuzuschieben (das funktioniert oft erstaunlich gut).

Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Menge zumeist kleinerer Seiten im Internet, deren finanzielles Polster so dünn ist, dass ein paar Euro monatlicher Werbeeinnahmen für das Weiterbestehen des Angebots essenziell sind. Vor allem aus Solidarität mit solchen Sites habe ich mich schon vor über einem Jahr entschieden, das Browser-Plugin Adblock Plus wieder rauszuwerfen und im Sinne größtmöglicher medialer Vielfalt im Zweifelsfall lieber einmal mehr nerviges Geblinke über mich ergehen zu lassen (die Lautsprecher sind bei mir sowieso standardmäßig ausgeschaltet).

Das Blöde ist nur: Den oben gezeigten Screenshot habe ich mit meinem Standard-Browser gemacht – ohne Adblocker!

Und das liegt, wie ich experimentell ergründet habe, nicht an Cookie-Presets und nicht an irgendwelchen Skripthandling-Vorgaben, sondern an dem hier bereits bekannten Anti-Tracking-Plugin Ghostery. Das weist für die Startseite von golem.de aktuell zehn verschiedene Tracker aus, von denen ich neun standardmäßig geblockt habe:

Ghostery-Blocking auf golem.de

Ruft man nun das Hauptfenster des Plugins auf

Ghostery_edit

und klickt unten auf Edit … und Don’t block …,

Ghostery_dontblock

dann wird die Seite mit sämtlicher Werbung ausgeliefert (die im Falle von golem.de, das nebenbei, recht dezent ausfällt – das kennt man von den ganz Großen viel schlimmer).

Und hier liegt der Kern des Problems: Es geht nicht mehr nur darum, dem Leser einer Website Werbebotschaften zu präsentieren, sondern es geht um den gläsernen Rezipienten. Ich wäre, wie beschrieben, durchaus bereit, das allgegenwärtige Blinken und die scheußlichen Knallfarben im Austausch gegen gute redaktionelle Inhalte über mich ergehen zu lassen; aber ich bin nicht bereit, mich jedem Werber gegenüber vollkommen nackig zu machen. Keine Frage: Die Möglichkeiten des Netzes hinsichtlich der Erfolgskontrolle sind im Vergleich zu klassischen Werbeformen immens, und es kann nicht verwundern, dass Reklamiker angesichts der vielfältigen und überaus feinfühligen Analysemöglichkeiten in diesem Medium Pawlowsche Reflexe entwickeln. Aber als Kunde sage ich: Wenn meine Wahrnehmung einer bestimmten Werbung minutiös dokumentiert und im Kontext meiner sonstigen Mediennutzungsgewohnheiten ausgewertet wird, ist das ein massiver Eingriff in meine Privatsphäre.

Und deshalb haben mal wieder alle ein bisschen Recht, und keinem ist damit geholfen: Wenn ich einerseits den nachvollziehbaren Bedürfnissen der Betreiber kleiner Websites (exemplarisch) nachkommen möchte und andererseits Wert darauf lege, mir auch im Internet einen Rest privaten Raumes zu erhalten, dann bleibt mir momentan wohl nur der Weg eines aufwendigen und immer wieder nachjustierten Systems aus Black- und Whitelisting in der Anti-Tracking-Software, um die Informationsströme optimal zu dosieren und zu kanalisieren.

Ach verflixt, muss das denn immer so kompliziert sein?

Wo Zukunft als Bedrohung gilt

Während ich also gestern den Fortschrittsbalken meiner Linux-Aktualisierung (überhaupt „Fortschrittsbalken“, was für ein drolliges Wort!) im Auge behielt, hatte ich Zeit, über Bens Besinnungsaufsatz Die Verbesserung der Welt nachzudenken. Und auch wenn ich im Detail andere Schwerpunkte setze, fällt mein Fazit ähnlich aus – und ich bin, nicht erst seit gestern übrigens, sehr skeptisch, was die Zukunftsaussichten des Internets als „Werkzeug der Veränderung“ betrifft.

Was mehrere Gründe hat.

Einerseits ist das Netz natürlich auch ein Spiegel der Gesellschaft, und im Gemeinwesen ist nun einmal nur eine Minderheit aktiv um Veränderungen, Verbesserungen bemüht. Innerhalb des Internets kann es einem schon mal so vorkommen, als ob es unglaublich viele Menschen sind, die eine Menge Energie in Projekte investieren, das politische, soziale, humanitäre Potenzial des Netzes zu nutzen und zu erweitern; aber gemessen an der Gesamtheit aller Bürger sind das immer noch verflixt wenige.

Dazu nur ein kleines Beispiel: So ziemlich jedem, den ich im Internet kenne, ist es völlig klar, dass Videoüberwachung als Element der Verbrechensbekämpfung eine Sch***idee ist. Aber die letzte Erhebung, die ich dazu gelesen habe, besagt, dass 80 Prozent aller Bundesbürger mehr Videoüberwachung befürworten.

In geringfügiger Zuspitzung: Was im Internet passiert, das interessiert nur diese Leute im Internet – Nerds, Piraten, Spinnerpack.

Und andererseits: Gerade weil ein dezentrales, offenes und freies Netz erhebliches disruptives Potenzial hat, hat es in Deutschland an den entscheidenden Stellen so einen schweren Stand. Denn Veränderung wird zuallererst als Bedrohung empfunden in diesem Land – das spürt man an allen Ecken und Enden:

Hier ist man so stolz darauf, vor mehr als hundert Jahren das wohl ineffektivste Individualtransportmittel der Neuzeit erfunden zu haben, dass dank dessen fortdauernder Vergötzung der öffentliche Verkehr um mindestens Jahrzehnte hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Hier lassen sich ganze Industriezweige ihre zunehmend unprofitablen Geschäftsmodelle vom Gesetzgeber zu Schutzgebieten erklären, statt sie den Gegebenheiten der Gegenwart anzupassen; und bizarrerweise sind das genau dieselben Leute, die sonst am lautesten das Loblied der freien Märkte singen, aus denen sich die Politik gefälligst herauszuhalten habe.

Und hier werden lieber die Kupferkabel aus den 1960er-Jahren unter absurdesten technischen Verrenkungen und unter konsequenter Behinderung des Wettbewerbs nochmals ein paar Prozent aufgebohrt, als flächendeckend in adäquaten Breitbandausbau zu investieren – weil nur so sichergestellt ist, dass die Profite bei denselben Unternehmen bleiben wie immer statt bei denen, die heute für Innovation sorgen.

Weshalb ich davon ausgehe, bei der nächsten fälligen LTS-Aktualisierung gar kein Internet mehr zu haben. Vielleicht werden wir es aus Gewohnheit noch Internet nennen, aber es wird voraussichtlich bloß IP-basiertes Homeshopping-Fernsehen sein, in dem ich für 9,95 Euro Aufpreis im Monat das jederzeit widerrufliche Recht erwerbe, außer auf die providereigenen Services auch auf diesen anarchistischen Linuxkrempel zugreifen zu dürfen …

Kryptisches und Kryptografisches

Ich hab ja keine hohen Ansprüche an mein privat genutztes Rechner-Betriebssystem, schließlich brauche ich dafür nur Mail, Web, einen rudimentären Texteditor, Dateiverwaltung und dann und wann einen Chat-Client.* Das alles aber bitte mit einer Verschlüsselung, die mit Android kompatibel ist – deshalb war ich bis heute noch mit der 2010er Version von Ubuntu unterwegs. Denn als im April 2012 die neue Long-Term-Variante kam, hatte sie keine Seahorse-Plugins mehr und damit keine GPG-Verschlüsselung direkt im Editor; die aber benutze ich ziemlich häufig, um Dinge wie mein Adressbuch über die Plattformen hinweg synchron und zugleich vertraulich zu halten. (Für die paar Dateien, für die ich das brauche, fand ich die einzelne Verschlüsselung immer angenehmer als das Gefummel mit TrueCrypt-Containern.)

Mittlerweile aber ist der Support für Lucid Lynx ausgelaufen, Zeit also, nach Alternativen zu schauen. Und sieh da, die Seahorse-Plugins gibt es mittlerweile auch für die 2012er LTS! Zwar nicht im vollen gewohnten Umfang, denn ausgerechnet das Plugin für den Texteditor gedit fehlt; das macht aber nichts, denn im Dateimanager funktioniert Verschlüsseln per Rechtsklick, und der Android-App APG ist es egal, ob die Datei nur verschlüsselten Text enthält oder als PGP/MIME-Päckchen verschnürt ankommt.

Und so habe ich heute auf 12.04 LTS aktualisiert – zuerst, sicherheitshalber, die VM auf dem Arbeitsrechner, und als die einschließlich des nachinstallierten Seahorse-Pakets ohne jedes Nachbessern rund lief (im krassen Gegensatz zu meinem ersten diesbezüglichen Versuch), auch das System auf dem Netbook. Die Meldungen, die zwischendurch immer mal wieder aufpoppten, nahm ich einfach mal als Bestätigung dessen, dass das mit der Kryptografie schon klappen wird:

Kryptische Fehlermeldung beim Ubuntu-Update

Ehrlich: Ich habe keine Ahnung, was die durchaus zahlreichen Meldungen dieser Art wohl bedeutet haben. Aber solange der Rechner das tut, was ich von ihm erwarte, ist mir das auch herzlich schnuppe; man verbringt ohnehin für meinen Geschmack viel zu viel Lebenszeit vor diesen Kisten, auch ohne dass man jedem potenziellen Fehler auf den Grund geht.

Eine Sache muss ich aber noch recherchieren: Wie kriege ich das neue System dazu, weniger Platz auf dem Desktop zu beanspruchen? Ich hab hier bloß 1024×600 Punkte, und wenn da permanent noch so ein Möchtegern-MacOS-Dashboard rumlungert, das ist verschwenderisch. Und was in aller Welt haben diese Interface-Design-Anfänger sich bei dieser Optik für ALT-F2 gedacht?

Zugekleisterter Programmaufruf

Nun ja, was solls, Hauptsache, es funktioniert. Man ist ja heute schon dankbar, wenn man das von einem Computersystem behaupten kann …

* Sämtliche Bildbearbeitung und -verwaltung läuft bei mir inzwischen ausschließlich auf dem Mac; meiner damals geäußerten Hoffnung, irgendwann ohne proprietäres Betriebssystem auszukommen, steht zurzeit der Umstand entgegen, dass der zwar ungeliebte Adobe-Kram objektiv betrachtet einfach viel besser funktioniert als seine jeweiligen freien Pendants.

Eine Fliege namens Madeleine

Als meine Tochter heute am Bach plötzlich aufschrie und mich bat, ich möge „dieses Dings“ aus ihren Haaren entfernen, hatte ich ein intensives Déja-vu:

Fliegendingens

Genau so ein Flatterding (ich tippe auf eine Fliegenart, aber mit diesem Sektor der Fauna kenne ich mich kaum aus) habe ich nämlich seit ziemlich exakt 15 Jahren nicht mehr gesehen, aber damals habe ich es auch fotografiert, weil ich es so hübsch fand (noch auf Agfa Scala Schwarzweiß-Diafilm, hach, those were the days):

Fliegendingens sw

Faszinierende Sache, dieses Gedächtnis: Da sieht man ein winziges Viehzeug, das man noch nicht mal taxonomisch einsortieren kann, und plötzlich ist die gesamte Erinnerung an einen lange zurück liegenden Urlaub wieder wach. Und beim Nachdenken darüber auch gleich die Erinnerung an das allerbeste Buch ever (daher auch die Anspielung in der Headline) – hoffentlich ist bald Winter, dann greife ich mir mal wieder den Proust …