Gelesen: Bernhard Schlink, „Sommerlügen“

Schlink ist eine Klasse für sich … Sieben Kurzgeschichten über Illusionen, stilistisch elegant und inhaltlich fesselnd ganz ohne vordergründiges Drama. Keine ist länger als 40 Seiten, aber jede einzelne breitet eine ganze Welt vor dem Leser aus und wirkt weit über die Lektüre hinaus nach. Wer gern beim Grübeln über heikle zwischenmenschliche Verhältnisse einschläft, findet hier wunderbare Gutenachtgeschichten für eine ganze Woche.

Gelesen: Heidenreich/Buchholz: „Nero Corleone kehrt zurück“

Untertitel: „Es ist immer genug Liebe da“ – wenn das mal nicht nett ist … und so ist auch das ganze kleine, feine Buch, das ich zur Erholung während einer eher düsteren Lektüre – dazu später – zwischengeschoben habe. Katzen sind mir ja grundsätzlich fremd und auch ein bisschen suspekt, aber Frau Heidenreich und ihr kongenialer Illustrator bringen die Botschaft, dass die Schnurreviecher in Wirklichkeit unverzichtbar sind, ziemlich überzeugend aufs Papier.

Merkwürdiges Produktions-Detail: Im Mittelteil waren einige wenige Seiten so fehlerbehaftet, als ob der entsprechende Druckbogen am Lektorat vorbeigeschummelt worden sei. Ich bin ja nach wie vor der Ansicht, dass so was bei gedruckten Büchern nicht passieren darf. Wobei eine Kollegin neulich meinte, sie finde Tippfehler in eBooks viel weniger akzeptabel, schließlich sei es da deutlich einfacher, auf die Schnelle eine korrigierte Fassung auszuliefern. Da ist auch was dran …

Notizen zu Enzensberger

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Bonus-Aufgabe zum Feierabend: Visualisieren Sie ein Dilemma …

Wie ihr euch bereits dachtet, geht es um Hans Magnus Enzensbergers Aufsatz in der FAZ, Wehrt Euch!

Was mich betrifft, so bin ich emotional die längste Zeit des Tages voll auf seiner Seite – was für ein schöner Traum, einfach auf E-Mails, Online-Handel und andere Mitbringsel der Digitalisierung vollständig wieder verzichten zu können! Und dennoch, da stimmt etwas nicht: Denn selbst wenn wir – eine rein hypothetische Option – jeglichen Aspekt der Computerei aus unseren Leben verbannten, so löste das doch genau gar kein Problem; die Probleme würden nur etwas weniger deutlich sichtbar.

Denn nicht die Digitalisierung ist das Problem. Nicht Facebook, Google, Amazon, Apple und Co., nicht mein zunehmend ungeliebtes Smartphone und auch nicht die Kreditkarte. Zwar sorgt es fraglos für ein gutes Gefühl, hier und da ein wenig auf Datensparsamkeit zu achten und Digitaldiät zu treiben; aber letztlich sind all die vermeintlich bösen Dinge, die Enzensberger beschreibt, nur Platzhalter, nur Sündenböcke für etwas, das weit außerhalb ihres Reviers zu finden ist. Und dieser diffuse Schuldige für all die Ärgernisse, die er völlig korrekt beschreibt, ist nichts anderes als das Wesen des Menschen selbst, der zum Guten wie zum Bösen in der Lage ist und sich mal in diesem, mal im entgegengesetzten Sinne entscheidet, wobei die Folgen seines Handelns von seinen digitalen Gadgets auch schlimmstenfalls lediglich verstärkt werden.

Ja, ich würde auch gern, mehr als nur manchmal, das Smartphone entsorgen, das DSL-Kabel ziehen und mein Leben wieder so organisieren wie in den 1990er Jahren. Aber es ist mir vollkommen klar, dass das nichts ändern würde – ich hielte mir damit nur beide Hände vor die Augen und glaubte ganz fest daran, dass niemand mich sieht.

Gelesen: Arto Paasilinna, „Der Sommer der lachenden Kühe“

Nach der Lektüre fühlte er sich einigermaßen kundig in Fragen der Verblödungserscheinungen bei alten Menschen.

Diesem Zitat aus dem Roman ist nur noch wenig hinzuzufügen: Nach Jahren ist mir mal wieder was von Paasilinna in die Hände gefallen, aber ich war nicht so begeistert wie damals. Mag sein, dass sich mein Humor seither in eine andere Richtung entwickelt hat, aber dieses Buch ist schon eines von Paasilinnas schwächeren. Zwar gehört es bei ihm stets zum Programm, zuerst Potenzial für dramatische Wendungen zu konstruieren, um letztlich alles in Wohlgefallen aufzulösen, aber hier passiert es doch allzu beiläufig und ohne nennenswerte Entwicklung. Um Paasilinna kennen zu lernen, greift lieber zu „Der wunderbare Massenselbstmord“.

Fahrradwerkzeug

Offiziell ist ja noch Winter; aber weil die Meisen im Garten auch schon mit Frühjahrsputz im Nistkasten begonnen haben, habe ich mir dieser Tage mal die Fahrräder vorgenommen, um die Spuren der zurückliegenden Wochen zu beseitigen.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch die Werkzeugtasche an meinem Reiserad durchgesehen und darüber nachgedacht, dass sich ihr Inhalt nun schon seit teils etlichen Jahren bewährt hat. Deshalb mal eine kurze Vorstellung – vielleicht findet ihr hier noch die eine oder andere Anregung. Ich werde ausdrücklich keine Marken erwähnen, aber grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, ein paar Euro mehr für sein Werkzeug auszugeben, denn erfahrungsgemäß rechtfertigt sich der Aufpreis gegenüber Discounter-Ware durch lang anhaltende Zuverlässigkeit.

Die Tasche selbst ist eine der klassischen wasserdichten, und zwar die größte Satteltaschen-Variante. Ich verzichte auf die Nutzung der mitgelieferten Befestigung, weil sie dann zu weit nach hinten herausragt und bei Reisen mit dem Zelt-Packsack kollidiert.

Werkzeugtasche 1

Stattdessen ist sie parallel zur Sattelstütze mit einem Packriemen befestigt; oben wird ein kleines Bügelschloss durch beide Verschluss-Ösen und das Sattelgestell geführt, sodass Schlackern ebenso ausgeschlossen ist wie der schnelle unbefugte Zugriff:

Werkzeugtasche 2

Weil ich nicht ständig hin- und herräumen mag, ist die Tasche im Alltag im Prinzip genauso bestückt wie auf Reisen; hier ein paar Gramm einzusparen hielte ich für albern. Die zahlreichen Kleinteile sind in unterschiedlichen Tüten sortiert:

Schläuche

Ein bis zwei Schläuche stecken in einem recht kräftigen Packbeutel, damit sie nicht versehentlich vom übrigen Werkzeug perforiert werden. Man könnte sie auch in ihren Pappschachteln belassen, aber die sind sperriger.

Schmier

Kettenöl, ein Döschen zähes Fett und mehrere Lappen unterschiedlicher Fettigkeitsgrade sind in diverse Plastiktüten gewickelt, um das restliche Material nicht einzusauen.

Ersatzteile

Welche Ersatzteile benötigt werden, hängt natürlich vom Fahrradtyp ab. Ich habe in der Regel zwei bis drei unterschiedliche Innenzüge dabei, um auch den Rest der Familienräder verarzten zu können. Ein paar Kabelbinder und Gewebeband sind immer nützlich, einige Kettenglieder nehmen auch nicht viel Platz weg. Für diverse Schräubchen und Kleinteile hat sich die klassische Kleinbildfilm-Dose bewährt. Bremsbeläge transportiere ich in der Werkzeugtasche nur fürs eigene Fahrrad; für jedes andere Rad im Haushalt gibt es je ein Beutelchen mit Bremsbelägen und Schlauch, und die kommen bei Touren in eine der Packtaschen.

Werkzeug

* Zur Luftpumpe für französische und Autoventile gesellt sich fürs Kinderrad noch ein Adapter von Dunlop- auf Autoventil, damit man sich dort nicht mit der Spielzeug-Dunloppumpe abmühen muss.
* Der kleine Ratschenschlüssel ist relativ neu in der Sammlung, bewährt sich aber an etlichen Stellen am Rad, die mit dem klassischen Multitool weniger gut zugänglich sind. Je nach Einsatzzweck haben beide ihre Berechtigung.
* Abzieher für Ritzel oder Sicherungsschrauben nach individuellem Bedarf.
* Der große verstellbare Schlüssel ist der gewichtigste Einzelposten, aber damit lässt sich vieles gegenhalten oder lösen, womit das Miniwerkzeug überfordert ist.
* Den teleskopischen Reifenheber, der sich auf der Radachse aufsetzen lässt, habe ich seit Jahren schon in keinem Geschäft mehr gesehen. Aber wenn ihr den mal auf dem Flohmarkt seht – zugreifen: Funktioniert um Klassen besser als die konventionellen im Dreierset, die nach zwei, drei Einsätzen zudem schon abgenudelt sind.
* Speichenschlüssel ist zwar auch in fast jedem Multiwerkzeug integriert, aber die runde Bauform ist viel angenehmer in der Handhabung.

Nicht im Bild: das Päckchen Feuchtreinigungstücher (Drogerie, Babyabteilung), das nach zünftigen Straßenrand-Reparatur-Sessions unverzichtbar ist und bei mir standardmäßig in der Lenkertasche steckt.

Euch allen eine tolle Fahrradsaison, in der die Werkzeugtasche möglichst geschlossen bleiben möge!