Gelesen: Jana DeLeon, „Weg vom Schuss“

Lange kein Gelesen-Eintrag mehr hier – was daran liegt, dass sich meine Lektüre in den letzten Wochen aus gegebenem Anlass meist mit Drucktechnik, Holzschnitt und verwandten Disziplinen beschäftigt, und das schmökert sich ja nicht linear weg. Aber dieser Tage habe ich mir mal eine Bahnfahrt mit „Weg vom Schuss“ versüßt: Ist der erste Band einer Reihe um die CIA-Agentin Fortune Redding, doppeldeutig Miss Fortune, die nach einem vermasselten Auftrag in dem nur auf den ersten Blick verschlafenen Nest Sinful (sic!) in Louisiana strandet, wo sie mit der Unterstützung zweier mysteriöser alter Damen etliche haarsträubende Abenteuer zu bewältigen hat … Eigentlich ist das klassische Chicklit, aber mit einer ordentlichen Portion Krimi, dabei herrlich skurril und überkandidelt. Wenn man bereit ist, bei Fragen der Logik mal ein Auge zuzudrücken, ist das richtig gute Unterhaltung.

Von den Miss-Fortune-Geschichten gibt es auf Englisch bereits fünf Bände – Teil 1 heißt im Original „Louisiana Longshot“–, auf Deutsch (übersetzt von der geschätzten Kollegin Miriam Neidhardt) liegt bislang nur der erste vor. Den Gemischtwaren-cum-Buchhöker in Amazonien empfehle ich im Allgemeinen ja nicht so richtig gern, aber ich sehe dort, dass der englische Band 1 sich in der ihBuch-Edition gratis laden lässt (vermutlich zum Anfixen), der deutsche zumindest für Prime-Kunden. Man kann alle Bände aber auch als richtige Bücher kaufen :-)

Tipp: Layout-Datei pixelgenau in JPG umwandeln

Neulich kam in kleiner Runde das Gespräch auf die Frage, wie man wohl ein InDesign-Layout ohne (!) den Umweg über Photoshop so in ein JPG konvertiert, dass eine bestimmte Höhe in Pixeln exakt eingehalten wird. (Beispiel: Ein Buchcover-Design soll fürs Web mit 500px Seitenlänge zur Verfügung gestellt werden; der JPG-Exportdialog von ID bietet aber keine direkte Eingabe für die Ziel-Abmessungen an.) Da sich mir das Problem bis dahin noch nicht gestellt hatte, wusste ich nicht sofort eine Lösung, aber ich versprach, drüber nachzudenken.

Ergebnis des Nachdenkens und Ausprobierens: Im Exportdialog gibt es zwar keine Ziel-Abmessungen, wohl aber eine Vorgabe für PPI, also Pixel pro Zoll Seitenhöhe. Damit reduziert sich das Problem auf einen Dreisatz, und mein Ansatz zum pixelgenauen Export sieht so aus:

1. Skaliere die Datei mit allen Inhalten proportional auf exakt 254 mm – also 10 Zoll – an der Seite, die für die Pixelabmessungen ausschlaggebend ist. (Den Skalierungsfaktor kann man entweder vorher ausrechnen, oder man kopiert alle Inhalte auf einen 10×10-Zoll-„Rohling“, zieht sie mit der Maus passend und passt dann die zweite Seite des Papierformats an die Inhalte an.)

2. Setze im JPG-Exportdialog pro 10 Pixel gewünschter Seitenlänge 1 ppi bei der Bildauflösung ein. Entferne ggfs. das Häkchen bei der Beschnittzugabe, um nur das Nettoformat in die Berechnung einzubeziehen.

3. Fertig.

Habe ich übrigens gerade bei meiner ersten Eigenanzeige seit mehr als zwanzig Jahren ausprobiert – funktioniert einwandfrei.

Es sind diese Kleinigkeiten

Bekanntlich beschäftige ich mich ja gern mal mit den Open-Source-Alternativen für Layout und Bildbearbeitung; allein schon für den Fall, dass mein alter Mac mal in die Knie geht und ich dann keinen mehr finde, auf dem sich noch meine Creative Suite aus vor-Cloud-Tagen installieren lässt – denn auf Adobes kundenfeindliches Abo-Modell habe ich so gar keine Lust.

Und manches geht da mittlerweile auch ganz gut, aber im Detail hakelt es dann doch immer wieder. Aktuell arbeite ich zum Beispiel an einem fotolastigen Buch, für das noch keine endgültige Bildauswahl getroffen ist (es liegen lediglich ein paar Hundert DNG-Dateien vor). Bedeutet: Außer Gimp und Scribus ist auch noch ein Programm zur Raw-Entwicklung und Fotoverwaltung nötig. Wenn man schon Erfahrung mit Lightroom hat, bietet sich statt seiner aktuell Darktable an – das läuft nicht ganz so rund, aber wenn man weiß, wonach man suchen muss, findet man auch dort alle wesentlichen Funktionen. Mit einem kleinen, aber dramatischen außer: Es gibt offensichtlich keine Möglichkeit, ein Bild nach der Raw-Entwicklung zur Feinbearbeitung direkt in einem externen Editor zu öffnen.

Während Lightroom mir auch im Entwickeln-Modul anbietet, das Bild als Original oder Kopie in Photoshop zu öffnen (oder wahlweise auch in Gimp, wenn ich das als zweiten Editor eingerichtet habe), ist es in Darktable nötig, das Dunkelkammer-Modul in Richtung Leuchttisch zu verlassen, (falsch, siehe Kommentar von Hella), die Datei zu exportieren und das resultierende Bild aus der Ordnerstruktur heraus oder über ein weiteres Verwaltungsprogramm, in Linux etwa Shotwell, an Gimp zu übergeben.

Solange es nur um einige wenige Fotos geht, ist das ja nicht schlimm. Aber darüber hinaus summiert sich der zusätzliche Aufwand schnell zu einem ganzen Arbeitstag; und so ähnlich ist es an allen Ecken und Enden. Es bleibt also weiterhin bei meinem Fazit aus diesem Artikel vom Dezember 2010: „Auch mit Open-Source-Programmen lassen sich Fotos sichten und bearbeiten, allerdings im Detail nach wie vor deutlich umständlicher als mit kommerzieller Software auf proprietären Betriebssystemen“. Schade.

Ach, und übrigens:

Bleisatz
:-)
Hm – wenn ich es mir so in Großaufnahme anschaue, denk ich, ich sollte den Antiqua-Part mal noch zwei, drei Punkt höher setzen. Und vielleicht auch einen Haps mehr Luft zur Signal, bevor ich anfange, davon zu drucken?
Siehe auch hier.

Asbesthaltiger Staub im Fotoarchiv

Das würden wir heute wohl auch nicht mehr so machen:
Millerntor_Mamiya2
Vor 20 Jahren, Ende Februar 1995, wurde in Hamburg das Millerntor-Hochhaus gesprengt, weil es wegen Asbestbelastung als nicht mehr sanierbar galt. Und so zog ich mit meiner damals-noch-nicht-Angetrauten zum damals-noch-nicht-Public-Viewing auf dem Heiligengeistfeld, um das Spektakel aus nächster Nähe zu bestaunen.

Ausgerüstet waren wir mit massenhaft damals-noch-nicht-digitaler Fotoausrüstung einschließlich je eines großen und eines noch größeren Stativs sowie einer Stehleiter. Das Foto oben ist das mittlere von drei mit der Mamiya C33 auf Ektachrome 100 HC aufgenommene Bild; auf dem dritten staubt es schon etwas mehr, dafür ist es völlig verwackelt, danach lag die Kamera auf dem Boden und seither hat das 180er eine Delle in der Fassung. (So aufregend war das.)

Und dann war noch die Nikon F4s* im Einsatz, mit Fujichrome 400 auf Tempo getrimmt. Die hatte ein 300mm drauf, einen Kabelauslöser dran und war auf höchste Serienbildgeschwindigkeit geschaltet. Das hier sind die ersten 12 Bilder:
Millerntor_Nikon1
Hier einmal Bild Numero acht:
Millerntor_Nikon1a
Klarer Nachteil der verwendeten Technik: Bei Bild 36 war Schluss. (Hier noch mal Bild 35 nachgetragen. Auf dem letzten Foto sind Gesichter zu erkennen, so was traut man sich heute ja gar nicht mehr zu veröffentlichen …)
Millerntor_Nikon35
Den weiteren Verbleib der fetten Rauchwolke, über deren Schadstoffgehalt ich rückblickend lieber nicht allzu intensiv nachdenke, haben wir dementsprechend nicht mehr dokumentiert.

Andererseits hatte ich heute im Archiv beim ersten Griff den richtigen Ordner in der Hand und eine Minute später die gewünschten Filme auf dem Leuchttisch. Ich sag jetzt mal nichts über 20 Jahre alte Festplatten.

* Charmantes Detail im vorliegenden Kontext: Diese Kamera wird von Fans ob ihrer mechanischen Qualitäten liebevoll „Abrissbirnchen“ genannt …