Gartenarbeit macht Freu(n)de

Dass die Amseln uns dankbar sind, wenn wir Beete umgraben und wimmelnde Leckerbissen freilegen, kennen wir schon. Neu in diesem Jahr ist, dass auch die Rotkehlchen beim Buddeln bis auf Armeslänge herankommen:

Piepmatz im Gegenlicht Für eine Vorstellung: Dies ist ein unbeschnittenes Bild mit dem 180er Objektiv und Zwischenring, Aufnahmeabstand unter einem Meter. Viel fehlt nicht mehr, dann frisst es mir aus der Hand …

Einfach leben?

Jüngst flatterte mir ein Prospekt ins Haus, der die schöne Überschrift „Einfach leben.“ trug. Der bewarb aber nicht etwa Werkzeuge, die man zur autarken Grundversorgung aus dem eigenen Garten braucht, sondern allerlei irrwitzige Gadgets aus dem Bereich „Smart Living“. Und beim Durchblättern wurde schnell deutlich: Smart ist in Wirklichkeit das genaue Gegenteil von einfach.

Denn zu allermeist geht es hier um die Fernsteuerung dieser-und-jener Haustechnik – vom Thermostat über die Glühbirne bis zum Wasserkocher – per Smartphone, und was daran einfach sein soll, erschließt sich mir auch bei wohlwollender Betrachtung nicht. Du brauchst eine App für die vernetzte Wetterstation, eine weitere für den Wasserstandssensor im Blumentopf, und das smarte Türschloss beansprucht auch noch mal Speicherplatz auf dem Handy. Wenn du diese Geräte so intensiv nutzt, wie die Werbung es dir suggeriert, solltest du stets ein fahrbares Notstromaggregat hinter dir herziehen, weil der Smartphone-Akku notorisch leergelutscht sein wird; alle ein bis zwei Jahre muss alles noch mal neu installiert werden, weil du als Trendsurfer spätestens dann ja ein neues Tatschdingens hast; und bis hierher hat noch alles reibungslos funktioniert, aber fang mal an, in so einem schwervernetzten Haushalt nach Fehlerquellen zu suchen …

Ich habe ja schon bei konventionellen Kaffeevollautomaten nie begriffen, was daran in der Gesamtbilanz einfacher sein soll, als Bohnen in meiner seit 150 Jahren baugleich angebotenen Mühle zu mahlen und manuell zu überbrühen. Aber wenn ich jetzt noch eine App so einrichten soll, dass sie über WLAN in der Küche mitteilt, wie viele Espressi und wie viele Milchkaffees es werden sollen, dann setzt das doch bloß noch ein überflüssiges Komplexitätslevel oben drauf … Man muss wohl schon sehr viel Freude an Technik als Selbstzweck mit einer ausgeprägten Leidensbereitschaft kombinieren, um so etwas als einfach zu empfinden – und nicht etwa als einfach bescheuert.

Ja, ist denn schon wieder Pinhole Day?

LochblendenselbstbauplatineNein, das nicht. Aber am heutigen Sonnenfinsternisvormittag war der Himmel über Norddeutschland tadellos klar, und da wollten wir natürlich mal einen Blick riskieren. Dafür nun ist eine Lochkamera mit langer Brennweite und möglichst kleiner Blende ideal:
Nein, das ist kein Joint.Es handelt sich hier um ein Pinhole mit rund 880 mm Brennweite bei einer wirksamen Öffnung von ca. f/4500, wobei ich die Pappröhre mit reichlich Klebeband an einem Makro-Zwischenring befestigt habe.
Und was kam dabei raus? Nun, man hat schon Schöneres gesehen, dann aber mit deutlich mehr Aufwand …
Le croissant lumineux

Leipzig-Notizen

1. Lyrik
Die großartige Verena Stauffer las auch 2015 wieder in der Lyrikbuchhandlung.
Verena Stauffer Und nicht nur hatte sie dieses Jahr einen eigenen kleinen Band zu signieren, sondern zu meiner besonderen Freude ist dieser ausgerechnet beim sympathischen Verlag hochroth erschienen.

2. Veganer-Paradies
Das Vleischerei-Foto von 2014
Vleischerei hat auch in diesem Jahr seine Gültigkeit behalten. Und dieses Mal war ich sogar drei Mal da :)

3. Liebe auf den ersten Blick
… klappt auch mit Büchern aus großen Verlagen. Am Stand von S. Fischer habe ich Horcynus Orca von Stefano D’Arrigo (Deutsch von Moshe Kahn) in die Hand genommen und nach ziemlich langer Zeit nur widerwillig wieder weggelegt. Das ist Sprache zum Anbeten!

4. Massenhaft charmante Schreibfehler
Buki-Leipzig Tolles Projekt: Der Freundeskreis Buchkinder Leipzig erstellt mit Kindergartenkindern liebevoll produzierte Bücher, in denen sie ihre selbst erdachte Geschichte erzählen und mit Linolschnitten illustrieren.

5. it’s a book
Nächstes Jahr werde ich es dann schon als Tradition bezeichnen können: Den Buchmessesamstag verbringe ich nicht auf dem Messegelände, sondern im Lichthof der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Bei der Independent Publishing Fair drängen sich auf kleinstem Raum so viele hochinteressante (Kleinst-)Verlage wie sonst nur noch in der Messehalle 3 in der Buchkunst-Ecke (dieses Jahr hätte ich bei einem Übersichtsfoto gar keine Bodenfliesen mehr aufs Bild bekommen). In der HGB ist alles aber sehr viel roher, wilder, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass auch Designstudenten von überall her ihre buchgestalterischen Projekte vorstellen. Sehr beeindruckend und inspirierend.

6. Aber à propos Independent:
Welchen Player im Buchgeschäft assoziiert ihr spontan zuallererst mit Indie? Na? Überraschung:
Amazon Indie?! Hallo, Amazon, jemand daheim? Vielleicht sogar jemand, der noch irgendwas merkt?